Projekt gegen Kriminalität: City-Streife Wildau sorgt für Sicherheit

02.02.2015

In Wildau (Dahme-Spreewald) haben Schmierer und Randalierer kaum eine Chance: Seit des Nachts die City-Streife unterwegs ist, sind Sachbeschädigungen wie zerstörte Bänke, demolierte Spielplätze, kaputte Laternen und bekritzelte Straßenschilder um rund 40 Prozent zurückgegangen. Die Kosten für die City-Streife trägt nicht allein die Stadt.

Wildau. Freitagnacht. Die Straßen in Wildau sind fast menschenleer, in der Schwartzkopff-Siedlung fährt nur noch gelegentlich ein Auto. Hinter den Fenstern flimmern noch einige Fernseher. Dies aber sind die Stunden der Kriminellen, der Randalierer und Schmierfinken, denen Andreas Meyer vom Wildauer Ordnungsamt und Ralf Müller von der Märkischen Wach & Schutz GmbH (MWS) auch in dieser Nacht mit ihrer gemeinsamen City-Streife gehörig die sprichwörtliche Suppe versalzen wollen.

Die Kommune startete das laut Müller rund um Berlin einmalige Projekt bereits 2008, nachdem der Ort immer stärker von Rowdys, Kleinkriminellen und Sprayern heimgesucht wurde. Dazu holte sich die Rathausspitze 18 ortsansässige Unternehmen und Institutionen mit ins Boot, die sich je nach gewünschter Leistung an den Kosten mit monatlich 50 bis 400 Euro beteiligen. Jüngstes Mitglied dieser Sicherheits-Familie ist ab 1. Februar der Handwerksbetrieb DieTech. Die Stadt selbst unterstützt die City-Streife mit jährlich 13.000 Euro, so dass Nacht für Nacht mindestens ein Auto unterwegs ist. Das wird jährlich etwa 70 Mal durch eine Nachtstreife des Ordnungsamtes unterstützt.

„Dieses Geld lohnt sich. Sachbeschädigungen wie zerstörte Bänke, demolierte Spielplätze, kaputte Laternen und bekritzelte Straßenschilder sind im Ort um 40 Prozent gesunken“, sagt Meyer. Beim ersten Stopp dieser Nacht am Bahnhof Wildau zeigt er stolz auf die sauberen, graffitifreien Flächen am Eingangsgebäude. Nicht ein Graffito ist zu entdecken, stattdessen an der Rampe aber helle Flecken. „Stellen wir eine Schmiererei fest, wird sie binnen 24 Stunden beseitigt. Das nimmt den Schmierfinken die Lust“, sagt Meyer. Gefreut habe ihn auch, als ein älteres Ehepaar spätabends gemeinsam mit alkoholisierten Jugendlichen mit der S-Bahn heimkam und dann meinte: „Schön, dass die Streife da ist.“
Allein in dieser Nacht geht es knapp 100 Kilometer durch Wildau. Auf dem Marktplatz trifft die City-Streife auf drei junge Männer, die auf den Spielgeräten sitzend, sich noch ein wenig unterhalten. Meyer kontrolliert ihre Ausweise, alles in Ordnung. Schon fast im Gehen ermahnt er die Jungs noch, ihre Flaschen mitzunehmen, weil dort oft Kleinkinder spielen. „Geht in Ordnung, Chef“, sagt einer der Jungs schmunzelnd.

Auf dem stockdunklen Parkplatz hinter der Oberschule leuchten Meyer und Müller mit Taschenlampen die Fahrzeuge bezüglich abgebrochener Spiegel oder eingeschlagener Scheiben ab. Nichts, alles ruhig. Per Handy kommt von einem Kollegen die Meldung von einem Stalker im Röthegrund rein, der von seiner Freundin verlassen wurde. Tatsächlich. Dessen Fahrzeug steht vor der Haustür, ist aber unbesetzt – also weiter zum Friseur, zum Amtsgericht sowie zum Toyota-Autohaus. Überall hinterlässt Wachschützer Müller mit einem Spezialgerät über einen Chip seine Kontrollzeit. Allein in dieser Nacht kontrolliert er über 100 Türen von Firmen, Schulen und Büros. Einige Unternehmen koppeln ihre Alarmanlagen auch mit der City-Streife. Das Signal läuft direkt in der MWS-Leitstelle auf, die sofort ihren Fahrer in Wildau verständigen kann. „Der Mann ist spätestens in fünf Minuten am Tatort und damit den Dieben auf den Fersen. Das schafft keine Polizei“, sagt Ralf Müller. Die Touren verlaufen Nacht für Nacht anders.

Andreas Meyer steuert das Auto weiter durch eine der finstersten Ecken – den „Weg an der Autobahn“, an dem sich fast nur Datschen befinden. Begegnet der City-Streife dort ein fremdes Autokennzeichen, so schrillen bei den Männern die Alarmglocken. So geschehen unlängst im Gewerbegebiet. Die Zusammenarbeit mit der Polizei klappt reibungslos. „Von Konkurrenz keine Spur“, sagt der Wachschutzmann. Schnell war geklärt, dass dieses Kennzeichen in Polen gar nicht vergeben war, so dass die Polizei den Fall übernahm.

City-Streife Wildau sorgt für Sicherheit

Auch Fahrraddiebe gingen der Citystreife schon ins Netz. Beim Aufbrechen des Schlosses ertappt, meinten die Täter, dass sie den Schlüssel verloren hätten. Dumm nur, dass es sich um ein Zahlenschloss handelte.

Auf dem Bolzplatz hinter dem Wildorado stößt die Citystreife auf drei junge Männer, die dort mitten in der Nacht Fußball spielen. Eigentlich ist hier um 21 Uhr Schluss, aber der Mann vom Ordnungsamt lässt sie gewähren. „Hier stören sie doch keinen“, sagt er. Da habe er schon ganz andere Fälle erlebt.

Der Schneefall wird stärker. Die Nacht plätschert ohne besondere Vorkommnisse dahin, so dass die Männer der City-Streife allmählich an den Feierabend denken können, während die Wildauer erwachen.

Märkische Allgemeine Zeitung vom 02.02.2015, Dahme-Kurier