"Der Senior-Chef trainiert ab"

Von Elinor Wenke aus Märkische Allgemeine Zeitung

Geschäftsführer Ralf Schröter übergibt nach 18 Jahren in der Wach- und Schutz-GmbH das Zepter an seine Tochter Ilka

Luckenwalde. Seit 18 Jahren leitet Ralf Schröter als Geschäftsführer die Geschicke der Märkischen Wach- und Schutz-GmbH (MWS) in Luckenwalde. Nun will er den Staffelstab an seine Tochter Ilka Schröter übergeben. Ab 1. April ist die 36-Jährige die alleinige Geschäftsführerin der Gesellschaft. Das gab der Senior-Chef am Montag an seinem 65. Geburtstag offiziell bekannt.

Er will seiner Tochter und den Mitarbeitern aber noch eine Weile mit Rat und Tat zur Seite stehen. "Im Beruf ist es wie im Sport, ich muss langsam abtrainieren", sagt der ehemalige Leistungsringer. "Ich kann nicht von 100 auf null runterfahren und will nicht als Rentner den ganzen Tag vorm Fernseher sitzen."

Gegründet wurde die Märkische Wach- und Schutz-GmbH im Februar 1994 - damals mit vier Gesellschaftern und 35 Mitarbeitern. "Unseren ersten 50-Mark-Schein haben wir verdient, indem wir als Urlaubsservice einen Hund Gassi geführt haben, die Kopie haben wir uns eingerahmt", schmunzelt Schröter und zeigt auf die Wand in seinem Dienstzimmer.

Heute zählt das Unternehmen 150 festangestellte Mitarbeiter plus 30 Pauschalkräfte. Zum Bestand gehören außerdem 20 Revierfahrzeuge, acht Großgeräte für den Winterdienst und drei Traktoren. "Unser Betrieb bietet alle typischen Leistungen eines Wachschutzunternehmens", sagt Schröter. Dazu gehören die Bewachung von Objekten, Kontroll- und Revierfahrten, Kurierdienst und von Beginn an auch die Notruf-Service-Leitstelle, in der für zahlreicheBetriebe Alarmanlagen aufgeschaltet sind.

Ilka Schröter kam im März 2001 zum Unternehmen und hat als weiteres Standbein den Reinigungsdienst aufgebaut - einschließlich Grünanlagenpflege sowie Winter- und Hausmeisterdienst. Seit September 2009 ist Ilka Schröter als zweite Geschäftsführerin tätig. Die gelernte Friseurin und studierte Betriebswirtin wollte sich aus freien Stücken neu orientieren. "Ich hätte sie nie gelockt, so was muss man von selbst wollen", sagt ihr Vater. Dass sie in einer Männerdomäne den Hut aufhat, stört sie nicht. "Die Männer haben sich daran gewöhnt", lacht sie. Der Frauenanteil im Betrieb liegt bei 20 Prozent, in der Reinigung allerdings wesentlich höher.

Das Image des Wachmann-Jobs hat sich laut Ralf Schröter enorm geändert. "Wir bezahlen unsere Mitarbeiter nach Tarif." Speziell für die Notruf-Leitzentrale werden noch Leute gesucht. 2008 war die MWS vom Bundesarbeitsminister als Unternehmen mit Weitblick" ausgezeichnet worden, weil auch die Gerneration 50 plus im Betrieb ihre Chancen hat. Die Gesellschaft zählt heute deutschlandweit 2.500 Kunden, bis nach München und ins Ruhrgebiet, darunter Banken, Krankenhäuser, Tankstellen, die Kreisverwaltung, das Südring-Center sowie Privatleute "Vom Grafen bis zum Industrieboss".

Ralf Schröter erinnert sich an angenehme und brenzlige Situationen in den vergangenen 18 Jahren. So hatte ein Wachmann vor 16 Jahren an der Berkenbrücker Chaussee in Luckenwalde eine Vergewaltigung verhindern können. Ein anderer war bei seinem Kontrollgang in einem Discounter in der Krähenheide von Einbrechern niedergeschlagen und gefesselt worden. "Sein Funkgerät war runtergefallen und hat die sogenannte Tot-Mann-Meldung abgegeben. Unsere Leute konnten ihn umgehend retten", berichtete Schröter. Ein ausgebüchster Polizeihund wurde gefunden, ein Brandstifter in Trebbin auf frischer Tat ertappt und regelmäßig werden Einbrüche sofort an die Polizei gemeldet. "Alerdings hat sich auch schon mal ein Wachmann in einem Kontrollobjekt selbst ausgeschlossen", schmunzelt Schröter. Er freut sich mit Blick auf den Ruhestand vor allem auf viele schöne Reisen.