"Frischer Wind und Führungsqualitäten für die Betriebsnachfolge"

Karrierechancen: Frauen in Führung
Ilka Schröter, MWS Märkische Wach & Schutz GmbH, Luckenwalde

'Gut ausgebildete Mitarbeiter sind ein Glück für jedes Unternehmen, wenn sie fehlen, geht es bergab', aus den Worten von Ralf Schröter spricht langjährige Unternehmenserfahrung. Gegen den Abwanderungstrend von Fachleuten Richtung Berlin und in andere Bundesländer wehrt sich die Märkische Wach & Schutz GmbH seit ihrer Gründung. Wichtigstes Mittel ist neben der tarifgerechten Bezahlung eine kontinuierliche Qualifizierung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. 2009 wurde MWS als 'Unternehmen mit Weitblick' für die Beschäftigung älterer Arbeitnehmer durch das Bundesarbeitsministerium ausgezeichnet. Zum Weitblick gehört auch, dass Geschäftsführer Schröter bereits an seine Nachfolge denkt. Darauf bereitet sich Tochter Ilka Schröter derzeit vor. Die Teilnahme am Coachingprojekt diente diesem Ziel.

Als Frau doppelt so gut sein...
Fachlich hat die gelernte Frieseurmeisterin in den vergangenen Jahren ein beachtliches Weiterbildungspensum absolviert: Fachabitur, Meisterprüfung, Betriebswirt des Handwerks, sie hat Lehrgänge für Taxi- und Mietwagenunternehmer sowie für Wachschutzunternehmer besucht. 'Weil ich den Bereich Gebäudereinigung im Unternehmen übernommen hatte, habe ich auch hier den Meisterlehrgang besucht, im praktischen Reinigen allerdings auf die Prüfung verzichtet', berichtet die 34-Jährige. 'Als Quereinsteigerin brauche ich die Fachkenntnisse. Der Wachschutz ist Männerbetrieb, viele könnten meine Väter sein. Sie messen mich natürlich an meinem Vater. Als Frau muss ich doppelt so gut und fleißig sein, um ernst genommen zu werden.' Die Wach & Schutz GmbH arbeitet seit Jahren eng mit dem RKW zusammen, zum Beispiel beim Qualitätsmanagementsystem und der Zertifizierung. Als Partner unterstützt Dr. Frank-Roland Seidlitz, der dem RKW-Beraternetzwerk b:net angehört. Er machte auf das Choachingprojekt aufmerksam.

Führungsverhalten und Motivation
Vor allem die psychologisch angelegten Themen interessierten Ilka Schröter. Als sie den Bereich Gebäudereinigung übernahm, führte sie diesen in kurzer Zeit aus roten in schwarze Zahlen, mit Energie und ihrem gesunden Menschenverstand. 'Heute weiß ich, dass nicht nur die Zahlen zählen, sondern langfristiger Erfolg die Motivation der Mitarbeiter braucht', erklärt sie. 'Die Stimmung im Team ist wichtig. Ich habe gelernt, mich in Konfliktsituationen auch in mein Gegenüber hinein zu versetzen, nach Gründen für Verhalten zu suchen. Liegt es vielleicht auch an meinen Entscheidungen? Es ist wichtig, auch darüber souverän zu reden. Das schafft Vertrauen und Akzeptanz.'

Belastende Erfahrungen verarbeiten
Erkenntnisse, die nicht nur in Seminaren theoretisch gelehrt, sondern im Rollenspiel mit dem Coach ganz praktisch trainiert worden sind. Viele Teilnehmerinnen steuerten Beispiele für mögliche Konflikte aus ihrem Umfeld bei. Nicht selten waren sie froh, diese belastenden Erlebnisse einmal mitteilen und Rat suchen zu können. 'Alle stehen unter Stress und haben als Frau ähnliche Probleme', bestätigt Ilka Schröter. 'Wenn zum Ärger in der Arbeit noch Sorgen mit der Familie oder Unverständnis der Männer kommen, wird das zur Zerreißprobe. Das muss dann mal raus, es wurde in der Gruppe akzeptiert und wir haben offen darüber gesprochen. Ich denke, alle haben viel aus dem Coachingprojekt mitgenommen'. Sie selbst kam gleich nach der ersten Veranstaltung begeistert zu ihrem Vater, berichtete und entwickelte Ideen. Zum Glück ist Ralf Schröter aufgeschlossen für Neues und hat Zutrauen zu seiner Tochter. 'Jeder muss seine Erfahrungen machen', meint er bedächtig. 'Frischer Wind ist besser als Flaute'."