"Beherzter Wachschutzmann verhinderte Sexualverbrechen"

17.09.1998 - Märkische Allgemeine Zeitung

Potsdamer Polizeipräsident dankte couragiertem Frankenfelder Bürger

Zossen (MAZ). Hätte der 33jährige Andreas Mayerl aus Frankenfelde in jener Nacht vom 4. und 5. Oktober nicht so couragiert eingegriffen, wäre eine 15jährige aus Hennickendorf vergewaltigt und womöglich sogar getötet worden. Dabei sieht er überhaupt nicht aus wie ein Held, dem Polizeipräsident Detlef von Schwerin am Donnerstag in der Wache Zossen anerkennend die Hand schüttelte. Andreas Mayerl ist gerade mal 1,72 m groß und schmal gebaut.

Der gelernte Rinderzüchter arbeitet als Wachmann bei der Märkischen Wach- und Schutz GmbH Luckenwalde. Auf einer Kontrollfahrt nach Mitternacht fiel ihm zwischen Luckenwalde und Ruhlsdorf ein Auto mit Kreisfremdem Nummernschild am Straßenrand auf. ‚Das kam mir ungewöhnlich vor. Manchmal warten Einbrecher nur darauf, dass wir das Objekt kontrolliert haben, um gleich hinterher dort einzusteigen. Deshalb fuhr ich langsam ran, und da hörte ich Schreie aus dem nahen Wald.’ Er hätte weiterfahren können. Aber er stieg aus, brüllte etwas wie ‚Was geht da vor?’, schnappte sich seine große Taschenlampe und ging Richtung Wald. Ein Mädchen stolperte heraus, hinterher ein Mann, der sich gerade die hose hochzog. Der stieg ins Auto und fuhr direkt auf den Wachmann zu. ‚Ich konnte gerade noch hinter einen Baum springen. Dann kam er auf mich zu und wurde immer größer (1,90 m! – d. Red.), hatte einen Radmutterschlüssel in der Hand.’ Der Täter bemerkte das Funkgerät des Wachmanns und wollte es ihm entreißen. In dem Moment kam der Funkkontakt zur Wachschutzzentrale zustande. Andreas Mayerl rief ins Mirkro ‚Überfall Berkenbrücker Allee’, da ließ der Mann von ihm ab und brauste davon. In dieser Nacht konnte die Polizei den Täter nicht stellen. Kurze Zeit später erschien ein mit Hilfe von Andreas Mayerl entstandenes Phantombild in der MAZ. Polizeirat Ralf Marschall: ‚Es war so treffend, dass sich der Täter in die Enge getrieben fühlte und sich selbst stellte.’ Für Polizeipräsident Detlef von Schwerin war es das erste Mal in den vier Jahren seiner Amtszeit, dass er persönlich einem beherzten Bürger dankte: ‚Was Sie getan haben, ist alles andere als selbstverständlich. Deshalb war es mir ein Bedürfnis, Sie kennenzulernen und Ihnen persönlich zu danken’, sagte er zu Mayerl. Die Zahl der Ermittlungshinweise und schnellen Alamierung der Polizei beim Erkennen von Straftaten und Tätern habe spürbar zugenommen. Er hob die Bedeutung eines engen Zusammenwirkens von Polizei und Bürgern hervor. Von den Würgemalen und Prellungen, die Andreas Mayerl aus dem Handgemenge mit dem körperlich haushoch überlegenen Täter davontrug, ist nichts mehr zu sehen. Andreas Mayerl ist Vater von drei Töchtern, die älteste davon 11 Jahre alt. ‚Es hätte auch mein Kind sein können’, ist seine Antwort auf die Frage: Warum?“

von G. Schneck