"Wachmann ertappte Diebe und geriet in Schußwechsel"

08.02.1995

Märkische Allgemeine Zeitung

"Märkische Wach- und Schutzgesellschaft Luckenwalde besteht seit einem Jahr

Luckenwalde (MAZ). Gestern war es genau ein Jahr her, dass die Märkische Wach- und Schutzgesellschaft mit Sitz in Luckenwalde ihren Gesellschaftervertrag unterzeichnete. Ab 1. März nahm sie dann offiziell ihre Arbeit auf. Inzwischen gehören 60  fest angestellte Wachmänner zum Mitarbeiterstamm. In acht Revieren rund um den Teltow-Fläming fahren die märkischen Wachmänner täglich an die 800 Kilometer ab und sehen auf Betriebs- und Privatgeländen nach dem Rechten. Wie der stellvertretende Geschäftsführer Eckhard Bartsch erzählt, laufen die täglichen Streifenkontrollen alles andere als ruhig ab. Langfingern und Einbrechern ist man fast ständig auf der Spur. ‚Etwa 90 Prozent der Einbrüche konnten wir verhindern’, schätzt Eckhard Bartsch ein. Nicht bei jeder Tour wird’s brenzlig, aber manchmal müssen die Wachmänner schon starke Nerven zeigen und mit allen Wassern gewaschen sein. So erging es z.B. Revierkontrollfahrer Kurt Semrok am vergangenen Freitag, als er sogar in einen Schußwechsel verwickelt wurde. Es war genau eine Dreiviertelstunde vor Mitternacht, als er auf seiner Kontrollfahrt an der Tankstelle in Marzahna etwas Ungewöhnliches bemerkte. An der Tankstelle, die um diese Zeit schon geschlossen ist, stand ein Pkw Golf mit Hänger. Die Holme des Wagens waren naß, die Autotür nicht verschlossen, vom Fahrer weit und breit keine Spur. Der Hänger war beladen mit Baumaterial – Kanthölzer, Mörtel, Plasteschienen. Kurt Semrok schöpfte Verdacht. An der Tankstelle wird gegenwärtig eine neue Werkstatt gebaut, daher konnte das Baumaterial stammen. Richtig vermutet, wie sich später herausstellte. Kurt Semrok verständigte über Funk seine Zentrale in Luckenwalde, die weitere Schritte einleitete und die Polizei alamierte. Kurt Semrok beobachtete weiter das Gelände, als er jäh zusammenfuhr: ein Schuß fiel. Der Wachmann stieg ins Auto und fuhr 20 Minuten lang immer um den Golf herum, ließ die ‚Beute’ nicht aus den Augen, wartete auf die Polizei. Im Spiegel sah er einmal kurz zwei Männer. Nach 20 Minuten fiel ein zweiter Schuß. Vieles und nichts ging dem 39jährigen Familienvater in diesem Moment durch den Kopf. Er selbst ist unbewaffnet. Offensichtlich wollten die Täter ihren ‚Störenfried’ vergraulen. Dieser gab nicht auf. Kurz darauf traf die Polizei ein. Die beiden Täter flüchteten, einer über den Acker, der andere auf der Straße Richtung Treuenbrietzen. Einen konnte Kurt Semrok noch stellen und festnehmen. Dieser gab zu, das Baumaterial gestohlen zu haben. Der Wachmann übergab den Mann der Polizei. Erst einen Tag zuvor hatte Kurt Semrok in seinem Revier einen Mann beim Diebstahl einer Tonne Kohle ertappt."

von Elinor Wenke