Alarm bei Dunkelheit

Die "Heinzelmännchen"-Serie, Folge 4

Alarm bei Dunkelheit

Private Sicherheitsleute schützen Nachts mit viel Technik vor Einbrechern

LUCKENWALDE. Das eiernde Jaulen einer Sirene durchschneidet die Nacht. Bis gerade haben in der Zentrale der Luckenwalder Wach und Schutz GmbH nur die Computer gesummt. Jetzt ertönt der Alarm aus den Lautsprechern. Auf den Monitoren prangt ein rot-weißes Dreieck mit einem Ausrufezeichen.

Klaus Neumanns rechter Zeigefinger klickt auf die Maustaste und schon herrscht wieder Ruhe. Mit den Augen fährt er über den Meldungstext auf dem Bildsch. Das Telefon klingelt. "Ja, ist angekommen.Alles in Ordnung", sagt er mit ruhiger Stimme. Es war nur ein Test. Ein Installateur hat eine Alarmanlage frisch aufgebaut - eine neue unter den mehreren tausend in ganz Deutschland, die von der privaten Notruf-Service-Leitstelle in Luckenwalde aus betreut werden.

Klaus Neumann und Dietmar Auerbach sitzen vor einer Wand aus Bildschirmen, Telefonen, Tastaturen und allerlei sonstiger summender und piepender Technik. Von ihnen laufen Daten über die Monitore. Meist sind es Einschalt-, Abschalt- oder Fehlermedungen. "Wir müssen immer von einem Ernstfall ausgehen", sagt Dietmar Auerbach, Leiter der Zentrale, "wenn es 30 Falschmeldungen gibt, kann es beim 31. Mal ein echter Alarm sein." Dann würde sofort die Polizei alamiert. "Die Zusammenarbeit funktioniert gut", sagt Auerbach.

Draußen vor den schussicheren Fenstern sinkt die Dunkelheit hinab. Die von Einbrechern und Langfingern bevorzugte Zeit beginnt. "Das Sicherheitsbedürfnis der Bürger steigt", sagt Firmenchef Ralf Schröter, "sie haben Angst, dass unten eingebrochen wird, während sie oben schlafen." Daher wache man zunehmend über Privathäuser.

Schröter hat die Wach und Schutz GmbH 1994 mitgegründet. Damals hatte er 50 Beschäftigte. Heute sind es rund 140, die er als Wachmänner in Betrieben oder Verwaltungen, als Revierfahrer, Kurierdienste oder in der Zentrale einsetzt.

Er wehrt sich gegen das Brachen-Klischee vom "Schwarzen Sheriff". "Bei uns muss das Führungszeugnis ohne Vorstrafen sein", verlangte der Firmenchef. Berufsausbildung, Nachttauglichkeit und Fitness sind außerdem Bedingungen. Es gibt eine dreijährige Ausbildung zur Fachkraft für Schutz und Sicherheit. Quereinsteiger sind in der Branche aber üblich. Der 27-jährige René Kowalke ist gelernter Maurer und absolvierte seinen Bundeswehrdienst zum Teil im Kosovo. Seit fünf Jahren sitzt er als privater Sicherheitsmann nachts im Streifenwagen. Er fährt zu Betrieben oder Wohnhäusern oder kontrolliert Türen und Fenster. "Einmal stand ich vor einem sehr verdächtigen Mann", erzählt er. Jener habe auf dem Gelände eines Autohauses geparkt. "Werkzeug lag auf dem Beifahrersitz", erinnert sich der Wachmann auf Patrouille. Er ließ sich Name und Anschrift des Mannes geben und schickte ihn weg. Wenig später bemerkte er, dass von einem PLw bei enem benachbarten Autohaus Teile abmontiert waren. "Das WErkzeug lag noch da", berichtet er. Kurz darauf traf die Polizei ein. Ob sie den zuvor entdeckten Mann festnahm, hat René Kowalke nie erfahren.

Sicherheit ist eine Wachstumsbranche in Deutschland. Sie setzt im Jahr etwas zehn Milliarden Euro um. Allein die etwa 3000 Wachschutz- und Sicherheitsunternehmen erwirtschaften im Jahr 2004 mit 175 000 Beschäftigen 4,17 Milliarden Euro. Vor zehn Jahren waren es halb so viele Firmen mit 109 000 Beschäftigten und 2,32 Milliarden Euro Umsatz. Die meisten Aufträge (35 Prozent) macht der Objekt- und Werkschutz aus.

von: Alexander Engels (axe)